Whistleblowing-Systeme – Weiterhin unterschätzte Instrumente

Berlin, 27. Juli 2011

Das Urteil aus Straßburg: Warnzeichen für deutsche Unternehmen?

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat mit seinem Urteil gegen Kündigung eines Whistleblowers deutschen Unternehmen die Quittung erteilt. Arbeitnehmer in Deutschland, die Missstände und Fehlverhalten öffentlich machen, haben durch das Urteil Unterstützung im Falle einer drohenden Kündigung erhalten. Die fristlose Kündigung einer Berliner Altenpflegerin und die Weigerung der deutschen Gerichte, diese Kündigung aufzuheben, verstößt nach Ansicht des EGMR gegen das in Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Recht auf Meinungsfreiheit.

„Das Urteil des EGMR zeigt wieder, wie wichtig eine professionelle Anlaufstelle für Hinweise im Unternehmen sind und wie ernst dies von Unternehmensverantwortlichen genommen werden sollte“ erläutert Birgit Galley, Direktorin der School of Governance, Risk & Compliance (School GRC). „Die Verantwortung von Unternehmen gewinnt seit diesem Urteil noch stärker an Bedeutung. Hinweisgebersysteme, Ombudsleute, Helplines und Beratungsstellen sind z.B. geeignete Instrumente zur Aufdeckung und Prävention von Missständen und Fehlverhalten. Wichtiger ist jedoch die Implementierung solcher Systeme und dadurch die Kanalisierung von Hinweisen innerhalb des Geschäftsbetriebes. Dies ist nicht nur Ausdruck guter Unternehmensführung, sondern kann auch die Unternehmenskultur positiv fördern.“

In Deutschland fehlen bislang gesetzliche Regelungen zum Hinweisgeberschutz. Rechtsfragen sind oft nur unter Rückgriff auf Rechtsprechung aus dem Arbeitsrecht zu beantworten. Doch der politische Handlungsdruck steigt. Eine Arbeitsgruppe des Bundesarbeitsministeriums prüft derzeit eine gesetzliche Regelung zum Schutz von Whistleblowern. Unternehmen sollten jedoch das Urteil als Handlungsempfehlung sehen und sich mit dem Thema stärker auseinandersetzen.

Allein die Ergebnisse der SiFo-Studie 2009/2010 zum Know-how-Schutz in Baden-Württemberg haben gezeigt, wie wichtig es ist, dass Unternehmen selbst bzw. Unternehmensführung und Geschäftsleitung den Nutzen entsprechender Systeme erkennen und in angemessener Form implementieren und ausgestalten. So haben Hinweise von internen (42 Prozent) oder externen (31 Prozent) Tippgebern zur Aufdeckung geführt. Dennoch haben nur 19 Prozent der befragten Unternehmen eine Hinweisgebermöglichkeit und nur 7 Prozent der Unternehmen planen diese. „Es gibt also noch Nachhol- und Handlungsbedarf“ sagt Galley.

Mehr Informationen zur School GRC gibt es unter www.school-grc.de.
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Hintergrundinformationen:

Die School of Governance, Risk & Compliance wurde in Deutschland als Forschungs- und Ausbildungsinstitut im Jahr 2007 unter der privaten Steinbeis-Hochschule Berlin gegründet. Sie vereint neben dem bereits seit 2004 bestehenden Institute Risk & Fraud Management zwei weitere Institute. Diese verantworten die Themen Corporate Integrity Management und Crisis & Continuity Management. Geleitet wird die School GRC von der Direktorin Birgit Galley.

Die School GRC bildet Führungskräfte und Spezialisten aus und fort und verbindet die verschiedenen Themenfelder. Daneben unterstützt sie Topmanager in Einzelfragen – bis hin zur Veränderung der Unternehmensführung.

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